Gesamtbetrachtung
Entwicklung der letzten 10 Jahre

Schweizweit sind über 750 ARA in Betrieb. In den letzten 10 Jahren sind in der Schweiz 73 ARA aufgehoben und an eine andere, grössere Anlage angeschlossen worden. Der Trend hin zur Zentralisierung auf weniger, dafür besser ausgebaute und leistungsstärkere Kläranlagen hält an.

Gleichzeitig wurden die Reinigungskapazitäten um 1.2 Mio. Einwohnerwerte ausgebaut (+8 %). Wobei ein Einwohnerwert der täglich von einem Einwohner in das Abwasser abgegebenen Menge an organischen Verbindungen (Schmutzstoffen) entspricht.

Ein Mann mit Brille lächelt vor einem blauen Kreis.

« Testimonial Michael Mattle.»

Michael Mattle, Co-Leiter CC Abwasserreinigung


Der Ausbau der Kapazitäten ist tiefer als das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum (+10 %, respektive +24 %). Das heisst, die mittleren Auslastungen der Anlagen ist gestiegen. Eine höhere Auslastung und grössere Kläranlagen sind unter dem Gesichtspunkt eines wirtschaftlichen Gewässerschutzes zu begrüssen.

wdt_ID Jahr Bevölkerung [Mio. E.] An ARA angeschlossene Bevölkerung [Mio. E.] Anzahl ARA mit mehr als 100 Einwohnern
1 2005 7,46 7,21 875
2 2010 7,87 7,63 839
3 2020 86,00 7,58 766

Abwasseranfall

Der gesamte Abwasseranfall ist zwischen 2010 und 2020 um 4 % zurückgegangen. Die Gründe dafür liegen einerseits in einem sinkenden individuellen Trinkwasserverbrauch. Zudem war das Jahr 2019, aus dem ein grosser Teil der Messdaten stammt, eher trocken. Dadurch sinkt auch der Fremd- und Regenwasseranteil. Als Fremdwasser wird das nicht verschmutztes Abwasser bezeichnet, das stetig anfällt und in die Kanalisation gelangt.

wdt_ID Jahr Abwasseranfall pro Jahr [Mrd m3] Abwasseranfall pro Person und Tag [Liter]
1 2005 1,41 547
2 2010 1,41 505
3 2020 1,35 488

Kanalisation

Die Länge der öffentlichen Leitungen und die entwässerten Flächen (+23 %) haben deutlicher zugenommen, als das Wachstum der Siedlungsflächen (+6 %). Ein Teil des Anstiegs ist auch in der angepassten Berechnungsmethodik begründet. Die Kanalisationsleitungen haben eine Länge von 59’000 km erreicht, das entspricht etwa 1,5 Mal dem Erdumfang.

wdt_ID Jahr öffentlich Kanallänge [km] Entwässerungsfäche [ha]
1 2005 47.000
2 2010 49.110 190.000
3 2020 59.800 233.000

Entwicklung der entwässerten Flächen

Heute werden in der Schweiz 233’000 ha mit der Kanalisation entwässert, dies entspricht etwa der Fläche von 326’000 Fussballfelder oder etwas mehr als die Fläche des Kantons St. Gallen.

Abwasserreinigungsanlagen ARA

Von insgesamt 766 ARA sind 80 grösser als 50’000 Einwohnerwerte. Dieser Wert hat um 6 Anlagen im Vergleich zu 2010 zugenommen. Dabei handelt es sich um Erweiterungen bestehender Anlagen.


Insgesamt wurden 1,35 Milliarden Kubikmeter Abwasser pro Jahr gereinigt. Die kleinen und kleinsten Anlagen machen zwar 63 % aller Anlagen aus, reinigen aber nur 8 % des anfallenden Abwassers. Im Jahr 2010 waren es noch 15 %. Damit gibt es eine deutliche Verschiebung zu grösseren Anlagen. Dieser Trend wird auch in den nächsten Jahren anhalten.

Reinigungsleistung der Abwasserentsorgung

Abwasser besteht nach dem Weltwasserbericht der UN etwa zu 99 Prozent aus Wasser und zu 1 Prozent aus Schmutzstoffen. Schmutzstoffe im Abwasser liegen in gelöster und ungelöster Form sowie als organische Verbindungen. Typische organische Schmutzbestandteile sind Fette, Kohlenhydrate, Eiweisse, Farbstoffe und Öle.

Reinigung organischer Schmutzstoffe

Die Hochrechnung der den Kläranlagen zugeleiteten Schmutzstofffrachten zeigt, dass die organische Belastung der Kläranlagen durch das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum zwischen 2010 und 2020 um 13 % angestiegen sind. Die Reinigungsleistung beträgt 94%. Es werden 522’800 Tonnen pro Jahr organische Schmutzstoffe entfernt.

Reinigung der Stickstoffbelastung

Stickstoffe sind Nährstoffe, welche vor allem als Urin über die Haushaltsabwässer in die ARA gelangen. Die Stickstoffbelastung des Abwassers ist zwischen 2010 und 2020 um 15 % angestiegen sind. Die Reinigungsleistung beträgt 52%. Es werden 24’600 Tonnen Stickstoff pro Jahr abgebaut. Stickstoffe können zur Überdüngung von Gewässern führen.

Reinigung der Phosphatbelastung

Auch die Phosphate sind Nährstoffe. Phosphate im Abwasser stammen überwiegend aus Urin, also auch aus dem häuslichen Abwasser. Phosphate können zur Überdüngung von Gewässern führen. Die Reinigungsleistung beträgt 91%, es werden 5’730 Tonnen Phosphor pro Jahr entfernt.

Reinigungsleistung in Prozent

Sinkende Gewässerbelastung

Die Gewässerbelastung konnte trotz steigenden Schmutzstofffrachten gesenkt werden: Als wichtigste Schmutzstoffparameter gelten der chemischer Sauerstoffbedarf als Mass für die Summe aller organischen Stoffe im Abwasser sowie die Stickstoff- und Phosphorkonzentrationen. Diese Schmutzstofffrachte nahmen zwischen 2020 und 2020 um 13 % zu. Dank verbesserter Verfahrenstechnik der Kläranlagen, sank die Belastung der Gewässer dennoch insgesamt um 5 %.

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