Ein Fluss schlängelt sich durch eine grüne Landschaft mit Bäumen auf beiden Seiten, Stromleitungen über dem Boden und Bergen im Hintergrund unter einem teilweise bewölkten Himmel.

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Dank Ihrer Hilfe gelangen weniger Kontrastmittel in den Rhein

Das Kantonsspital Graubünden testet in einem Pilotprojekt die umweltfreundliche Entsorgung von Kontrastmittel mit Hilfe von Urinbeutel. Dadurch werden unserer Gewässer entlastet.

Anwendung der Urinbeutel

Bitte verwenden Sie die Urinbeutel nach Ihrer Untersuchung bei Ihren ersten drei Toilettengängen. Die Anwendung ist einfach und diskret.

1. Öffnen

Eine Hand hält einen dunkelblauen, zylindrischen Stoffbeutel am Rand offen.

Reissen Sie den Aufkleber am ketsbag®-Urinbeutel auf, falten Sie den Beutel auseinander und öffnen Sie ihn.

2. Benutzen

Illustration einer Person, die unter einem "WC"-Schild steht und in einer Hand eine dunkle Tasche hält.

Urinieren Sie in den Beutel. Der Urinbeutel ist für alle Geschlechter geeignet und fasst 1 Liter. Frauen halten den Beutel im Stehen, Sitzen oder in der Hocke mit dem Griff nach vorne zwischen die Beine und drücken den oberen Ring gegen den Körper.

3. Verschliessen

Zwei Hände halten einen dunkelblauen Beutel mit Kordelzug.

Schliessen Sie den Clipverschluss. In weniger als einer Minute verwandelt das Granulat den Urin in ein festes, geruchloses Gel. Der Beutel ist auslaufsicher.

4. Entsorgen

Ein silberner Metallabfalleimer mit Deckel und schwarzem Sackeinsatz, dargestellt vor einem weißen Hintergrund.

Entsorgen Sie den Urinbeutel nach Gebrauch im Kehricht. In der Kehrichtverbrennungs-anlage werden Beutel und Kontrastmittel bei hohen Temperaturen sicher zersetzt.

Ihre Erfahrung bei der Anwendung der Urinbeutel

Ihre Rückmeldung hilft uns die Massnahme zu verbessern. Sie fliesst anonym in die Beurteilung ein, wird aber nicht auf dieser Webseite veröffentlicht.

Informationen zum Projekt

Eine Frau mit Brille, einem gemusterten Schal und einem gelben Oberteil lächelt vor einem blauen Hintergrund in die Kamera.

«Kontrastmittel sind für die medizinische Diagnostik wichtig. Gleichzeitig gelangen sie über das Abwasser in Flüsse und Seen. In diesem Pilotprojekt untersuchen wir, ob Urinbeutel eine praktikable und wirksame Massnahme  sind, unsere Gewässer vor Kontrastmittel zu schützen.»

Rebekka Gulde, Projektleiterin VSA, Kontakt

Wichtig für die medizinische Diagnose

Kontrastmittel sind für viele Untersuchungen in der Computertomographie (CT) oder in der Magnetresonanztomographie (MRT/MRI) unerlässlich. Sie ermöglichen präzise Bilder und unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei der Diagnose und Behandlung.

Die Herausforderung

Der Körper scheidet die Kontrastmittel innerhalb von 24 Stunden wieder aus. Sie gelangen mit dem Abwasser auf die Kläranlage. Kläranlagen entfernen Kontrastmittel jedoch zu wenig gut. Deshalb gelangen sie in unsere Flüsse, Seen und teilweise bis in unser Trinkwasser.

Kontrastmittel belasten unsere Gewässer

Der Rhein, der bei Basel die Schweiz verlässt, transportiert jährlich rund 13 Tonnen CT-Kontrastmittel (iodierte Kontrastmittel). Auch MRI-Kontrastmittel (Gadolinium-haltige Kontrastmittel) werden in Abwasser und Gewässer nachgewiesen. Messungen im Zürcher Gewässer zeigen, dass in etwa einem Drittel der Gewässer mögliche Auswirkungen auf Wasserlebewesen durch Gadolinium nicht ausgeschlossen werden können.

Was können Sie tun?

Mit der Nutzung der Urinbeutel bei Ihren ersten drei Toilettengänge halten Sie bis zu 90% ihrer Kontrastmittel-Dosis vom Rhein fern.

Details zum Pilotprojekt

Im Rahmen dieses Pilotprojektes wird die Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit der Urinsammlung wissenschaftlich überprüft. Dazu messen wir in einer Kontrollphase (vor dem Einsatz der Urinbeutel) und einer Testphase (während des Einsatzes von Urinbeuteln) je über 4 Wochen die Kontrastmittelfrachten im Zulauf und Ablauf der Kläranlage Chur.

Zudem untersuchen wir, ob der Zusatzaufwand für das medizinische Personal und nicht zuletzt für die Patientinnen und Patienten machbar ist. Ziel ist es, eine wissenschaftliche Grundlage zu schaffen, um den Nutzen und die Umsetzbarkeit dieser Massnahme für die Schweiz zu beurteilen.

Projektpartner

Mit finanzieller Unterstützung von:

  • Bundesamt für Umwelt
  • Kanton Aargau, Abteilung für Umwelt
  • Kanton Basel-Stadt, Amt für Umwelt und Energie
  • Kanton Bern, Amt für Wasser und Abfall
  • Kanton St. Gallen, Amt für Umwelt
  • Kanton Zürich, Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft

Informiert bleiben

Ein Kleinbuchstabe "i" in einer Sprechblase, der ein Informationssymbol auf einfarbigem Hintergrund darstellt.

Möchten Sie über die Ergebnisse informiert werden? Gerne benachrichtigen wir Sie nach Projektabschluss. Danach wird Ihre E-Mail-Adresse gelöscht.

Häufige Fragen

Entsorgen Sie die verwendeten Urinbeutel im normalen Kehricht. In der Kehrichtverbrennungsanlage werden die Urinbeutel und die darin befindlichen Kontrastmittel bei hohen Temperaturen verbrannt und dadurch sicher zersetzt.

Einmal im Gewässer angelangt, können Kontrastmittel kaum mehr daraus entfernt werden. In der Kehrichtverbrennung werden die Kontrastmittel rückstandsfrei zersetzt. Ob sich der zusätzliche Energiebedarf und Aufwand lohnt, hängt u.a. von der Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit der Urinbeutel-Massnahme ab und soll mit diesem Projekt untersucht werden.

Jede Nutzung hilft, aber wir haben Verständnis, dass es nicht allen Patientinnen und Patienten körperlich möglich ist die Urinbeutel anzuwenden. In diesem Fall benutzen sie, wie gewohnt, die Toilette.

Der Rhein, der bei Basel die Schweiz verlässt, transportiert jährlich rund 13 Tonnen CT-Kontrastmittel (iodierte Kontrastmittel).

Gestapeltes Balkendiagramm, das die jährliche Masse (kg/a) von 2019 bis 2025 für vier Parameter zeigt: Lohexol, Iomeprol, Iopamidol und Iopromid, wobei jedes Jahr durch eine Farbe unterteilt ist.

 Fig. Die jährliche Fracht (kg/a) von 2019 bis 2024 für vier iodierten Kontrastmittel: Iohexol, Iomeprol, Iopamidol und Iopromid. (Daten: Rheinüberwachungsstation, Kanton Basel-Stadt)

Ja, Spuren von CT- und MRI-Kontrastmitteln werden in gewissen Trinkwasserressourcen nachgewiesen. Da diese Stoffe in herkömmlichen Kläranlagen kaum abgebaut werden, können sie über Flüsse ins Grundwasser und vereinzelt bis ins Trinkwasser gelangen. Die gemessenen Konzentrationen sind jedoch äusserst gering und liegen weit unter den Mengen, die für medizinische Untersuchungen verabreicht werden. Dennoch ist es ein Ziel des Gewässerschutzes und der Trinkwasseraufbereitung, solche unnatürlichen Stoffe gar nicht erst in den Wasserkreislauf gelangen zu lassen.

Ja, neben Urinbeutel gibt es weitere mögliche Massnahmen. Beispielsweise können spezielle Toiletten, die in Radiologien eingebaut werden, Kontrastmittel direkt aus dem Urin herausfiltern. Zudem werden neue Kontrastmittel entwickelt, die bei gleicher Bildqualität weniger Gadolinium enthalten. Im Rahmen dieses Projektes werden wir auch das bisherige Wissen zu solchen Massnahmen zusammentragen und mit den Vor- und Nachteile von Urinbeuteln vergleichen.

Kontrastmittel sind für den Menschen gut verträglich und für Wasserorganismen nicht akut giftig. Das Problem ist jedoch ihre hohe Beständigkeit (Persistenz): Sie werden von den Kläranlagen und der Natur kaum abgebaut und reichern sich dadurch in der Umwelt an. Für Gadolinium, das bei MRI-Untersuchungen eingesetzt wird, zeigen neuere Studien, dass langfristige  Auswirkungen auf Wasserlebewesen nicht ausgeschlossen werden können. Zudem sind unnatürlichen Stoffe im Trinkwasser unerwünscht. Aus Gründen der ökologischen Vorsorge ist es deshalb sinnvoll, den Eintrag von Kontrastmitteln in die Gewässer so gering wie möglich zu halten.

Kontakt

Rebekka Gulde, Projektleiterin VSA
📧 Mail
📞 +41 58 765 54 99

Literatur

Ausgewählte Literatur zum Vorkommen von Kontrastmitteln in Gewässern und zu möglichen Minderungsmassnahmen.

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